Geschichte

 

Steinzeit bis 16. Jahrhundert


Wer den Kaugummi wirklich erfunden hat, ist schwer zu sagen. Eins ist jedoch sicher: Kaugummi kauen ist eine sehr alte Sitte.

Aus archäologischen Funden weiß man, dass schon in der Steinzeit bestimmte Baumharze gekaut wurden. In Finnland wurde ein 5.000 Jahre altes Stück Birkenharz entdeckt, auf dem Zahnabdrücke erhalten sind. In Südschweden fanden Archäologen bei der Ausgrabung einer 9.000 Jahre alten Siedlung, zwischen Walknochen und Apfelresten, den angeblich ältesten Kaugummi aus Birkenpech.

 

Auch die Ägypter sollen schon vor 3.500 Jahren einen Mix aus Melone, Myrrhe und Weihrauch gekaut haben.

Dieses Material wurde vermutlich nur gekaut, um es weich zu machen. Ähnliche Funde sind aus Süddeutschland und der Schweiz belegt. Im alten Ägypten fanden Kaugummis bei Riten Verwendung. Die Römer verwendeten das Harz des Mastixbaumes, das auch im osmanischen Reich beliebt war und heute noch als Lokum verwendet wird.

 

Bereits im 1. Jahrhundert n. Chr. berichtete der große griechische Physiker und Botaniker Dios Corriedis in seinem Buch „De Materia Medica“ über den Brauch und den Nutzen des Mastix-Kauens, wobei „Mastix“ aus dem Griechischen stammt und soviel wie „kauen“ bedeutet. Mastix-Bäume sind sehr selten, man findet sie fast ausschließlich auf der griechischen Insel Chios.

 

Als die Spanier im 16. Jahrhundert auf die zentralamerikanischen Ureinwohner trafen, hatte das Kauen von „tzicli“ oder „chictli“ bei den Mayas und den Azteken bereits lange Tradition. Wie ältere Ausgrabungen zeigen, waren es die Mayas, die das Kauen auf dem Harz des Sapodilla-Baumes entdeckten. Dieser Brauch wurde uns von einigen Indianerstämmen überliefert. Bereits Columbus brachte von seiner Entdeckungsreise einen dicken Klumpen dieses begehrten Gummis mit nach Hause.
Chicle, so die spanische Variante des Nahuatl-Wortes, wird aus dem Latexsaft des Sapotill- oder Breiapfelbaumes (Manilkara zapota) gewonnen, den die Indios außerdem wegen seiner süßen Früchte (Sapotille) schätzten. Sapodilla-Bäume werden bis zu 1 Meter dick und fast 40 Meter hoch, sie gedeihen nur im feucht-warmen Klima des tropischen Regenwaldes und können nur alle 6-8 Jahre „gemolken“ werden.

 

 

1869-1880

 

Der erste Kaugummifabrikant war der Seemann John Curtis Jackson aus den USA. Er kam als erster auf die Idee, dem Kaugummi Geschmack zu verleihen und ihn in größeren Mengen herzustellen. Dazu verwendete er ein indianisches Rezept mit Fichtenharz als Grundstoff.
1848 begann er mit der Produktion seines Kaugummis und war auf Anhieb erfolgreich. Wegen des Mangels an Sapodilla verwendete er das aus Rohöl gewonnene Paraffin als idealen Ersatz für das Sapodilla-Harz. Jackson brachte als erster einen auf künstlicher Basis hergestellten Kaugummi auf den Markt.

 

Am 27. Juli 1869 patentierte Amos Tyler in Toledo, Ohio (USA) den ersten Kaugummi.

 

Der ganz große Durchbruch jedoch gelang erst dem New Yorker Fotografen und Erfinder Thomas Adams. Der kaufte 1869 Chicle von dem mexikanischen Ex-General Antonio López de Santa Anna. Adams versuchte erfolglos, aus dem Grundstoff preiswerten synthetischen Kautschuk herzustellen. Schließlich verfiel er auf die Idee, Latex als Alternative zu den damals beliebten Kauriegeln aus Paraffinwachs auf den Markt zu bringen. Der Kaugummi war sozusagen ein Abfallprodukt seines Erfindergeistes. Dann entwickelte er einen Kaugummi, der mit Harz des Sassafras (auch Fenchelholzbaum) aromatisiert wurde. Darauf  brachte er den „Black Jack“ auf den Markt, einen Kaugummi mit Lakritzgeschmack, welcher binnen kürzester Zeit zum Erfolgsschlager wurde und sich fast 100 Jahre lang auf dem Markt hielt.
Die ersten Chicle-Kugeln von Adams waren geschmacklos, kosteten einen Penny und wurden 1871 in einem Drugstore in Hoboken, New Jersey verkauft.

Der erste, der Chicle mit einem Aromastoff anreicherte, war 1875 John Colgan aus Louisville, Kentucky. Er verwendete den medizinischen Tolubalsam, ein Harz des südamerikanischen Balsambaums (Myroxylon), das gegen Husten wirkte. Der Kaugummi hieß Taffy-Tolu und war am Markt erfolgreich.
Ein Hersteller aus Cleveland, Ohio brachte 1880 zum ersten Mal einen Kaugummi mit Pfefferminzgeschmack heraus.

 

 

1890-1928


Der hierzulande bekannteste und weltweit größte Hersteller von Kaugummis ist Wrigley´s. William Wrigley Senior war Seifenhersteller in Philadelphia. Nachdem sein Sohn vorzeitig die Schule verlassen mußte, stieg er 1890 in die Firma seines Vaters ein und mauserte sich schon bald zum Verkaufstalent. Sein größter Erfolg wurde der Verkauf von Kaugummis, so dass er 1890 bereits sein erstes eigenes Kaugummiwerk gründete. 1892 stellte er Wrigley's Spearmint her und ein Jahr später Juicy Fruit, der schnell zur beliebtesten Sorte Amerikas wurde.

 

Schon von 1921 gibt es einen Bericht aus Deutschland, der von großer Kaugumminachfrage in Koblenz erzählt. Dort wurde vor allem importierter Kaugummi konsumiert, der in den Läden der damaligen Besatzungsmächte erhältlich war.

 

Bubble Gum, also die Kaugummis mit denen man Ballons blasen kann, wurden erst 1928 aus der Wiege gehoben. Walter E. Diemer, einem einfachen Buchhalter, der nicht viel von Chemie verstand, aber als passionierter Kaugummikauer gerne experimentierte, haben wir diese Erfindung zu verdanken. Er fand heraus, dass man die Elastizität des Kaugummis durch Zusatz von bestimmte Farbstoffen derart erhöhen kann, dass man mit dem neuen Kaugummi riesige Blasen machen kann.

 

 

der 2. Weltkrieg


Mit dem zweiten Weltkrieg eroberte schließlich auch der Kaugummi Europa.
Die GI´s wurden bereits im ersten Weltkrieg mit Kaugummi versorgt. Als 1939 Professor H. L. Hollingworth von der Columbia Universität herausfand, dass kauen nicht nur entspannend wirkt, sondern auch die Konzentrationsfähigkeit steigert, versorgten die USA ihre Soldaten im 2. Weltkrieg so reichlich mit Kaugummi, dass der Stoff in der Heimat knapp wurde.


1950 kam der erste zuckerfreie Kaugummi auf den Markt.
Heute gibt es Kaugummis in allen nur denkbaren Variationen: vom Zahnpflege-Kaugummi über Kaugummi als Arzneimittel bis hin zum Energy Gum.

 

 

Die Neuzeit


Heutzutage ist der Kaugummi in unserer Alltagswelt nicht mehr wegzudenken. An jeder Tankstelle, in jeder Bäckerei und in jedem größerem Geschäft findet man die beliebten Beißer an der Kasse oder im Regal. Weltweit werden ca. 580.000 Tonnen Kaugummis im Jahr konsumiert.

Die „kaustärkste“ Altersgruppe von Kaugummis liegt zwischen 14 und 19 Jahren, deren jährlicher verbraucht beträgt ca. 2,5 kg pro Jahr und Person. Erwachsene bevorzugen eher die „Nutzkaugummis“, also z.B. Zahnpflege-Kaugummis und Anti-Raucher-Kaugummis.

 

Den größten Verbrauch (2006) von Kaugummis haben nach wie vor die Amerikaner mit 175 Päckchen pro Jahr pro Person, Deutschland liegt mit 100 Kaugummis an sechster Stelle im internationalen Vergleich.

Der Kaugummi erzielt ca. 35 Prozent des Umsatzes des gesamten Süßwaren-Ertrages und ist somit nach wie vor die Nr. 1 in der Branche. Die größte Kaugummi-Sammlung der Welt umfasst ca. 2800 unterschiedliche Kaugummi-Päckchen, mit Geschmacksrichtungen von Ginseng, Kaffee, Rosenblüte bis zu Fichtennadel oder Knoblauch.

 

 

Die Kaurevolution

 

Im Frühjahr 2008 gründete ein junges Team die Marke CrazyGums und verkauft seitdem Kaugummi auf der Domain www.kau-gummi.de

 

Dies löste eine bis dahin noch nie dagewesene Kaurevolution aus.

Der Ausgang dieser Revolution ist ungewiss, aber wir werden ihre Entwicklung mit großem Interesse verfolgen.